August und Clemens zum zweiten
„Ick voer al over Rhijn“: Konzert von clemensklingt am Samstag, 18. Januar, im Museum August Kestner
August & Clemens #2 oder clemensklingt im Museum August Kestner: Es ist der Schlusspunkt, die Finissage der Ausstellung „Bartmann, Bier und Tafelzier“ – ein Konzert, in dem sich Gesangs- und Instrumentalstücke, darunter gesellige, heitere sowie nachdenkliche, religiös geprägte Kompositionen abwechseln. Termin: Samstag, 18. Januar, 16 Uhr (Platz der Menschenrechte 3)
Was ist Kunst? Das klingt nach Opern und Sinfonien, nach großformatigen Gemälden und wuchtigen Skulpturen. Aber Kunstvolles findet sich auch im Kleinen mithin Alltäglichen. Von da finden diese kunstvollen Gebrauchsgegenstände auch den Weg auf die Leinwand – mithin richtige Kunst auf Gemälden.
Das hat seit April letzten Jahres die Ausstellung Bartmann, Bier und Tafelzier im Museum August Kestner gezeigt. Die als internationale Kooperation vom Töpfereimuseum Raeren (Belgien) übernommene Ausstellung widmet „Keulse potten“, also „Kölnische Töpfen“. Steinzeug aus dem Ton des Rhein- und Maasgebiets, entstanden im 15. bis 18. Jahrhundert: Töpfe, Becher und Krüge. Mal schlicht, mal kunstvoll gestaltet. Aber zum Benutzen, nicht zur Zierde. In jedem Haus – etwa wie die aus Kunststoff gefertigten Küchen- und Haushaltsartikel eines gerade in Insolvenz gegangenen amerikanischen Unternehmens heutzutage.
Weil dieses Steinzeug überall war, wurde es auch gemalt. Von Pieter Bruegel, Pieter Aertsen, Judith Leyster und anderen bekannten niederländischen Maler*innen. Beispiele dieser Bilder sind als Reproduktionen in der Ausstellung zu sehen, flankiert von vergleichbaren Steinzeuggefäßen, auch aus dem Museum August Kestner.
Aber nur noch bis Samstag, 18. Januar. Dann endet die Ausstellung – mit einer Finissage, die den Blick, oder besser das Ohr, auf eine andere Gebrauchskunst lenkt. Auf Musik. Nicht die in Konzertsälen und Opernhäusern, sondern die, die gesungen werden soll. Beim Ausschenken mit keulse Potten.
Auch das hat Tradition. Links und rechts des Rheins. Das zeigt schon der Titel der Finissage: „Ick voer al over Rhijn – Ich fuhr mich über Rheine“, ein niederländisches Volkslied. Diese Volkslieder sind musikalische „Gebrauchsgegenstände“, die den Alltag der Menschen im 17. Jahrhundert begleiteten. Das verbindet sie mit den Steinzeuggefäßen und Gemälden in der Ausstellung. Und mal nutzen sie sich auch ab und werden wie Krüge geflickt – also variiert. Dazu sind sie da. Zudem thematisieren sie alles Mögliche: Geselliges, Heiteres, Derbes, Nachdenkliches und auch Religiöses.
Das alles zieht sich durch das Konzert zur Finissage, das in einer Kooperation des Museums mit „clemensklingt“ – der Musik an der Basilika St. Clemens, am Samstag um 16 Uhr, erklingt. Orientiert an der klassischen Besetzung dieser Zeit: vier Gesangstimmen (die Familien waren groß), ein Seiteninstrument (das konnte man gut mitnehmen) und ein kleines Tasteninstrument (weil Platz knapp war und Instrumente teuer).
Es singen Antonia Strieder, Mathilde Matzeit, Jakob Schuld, Johannes Worms. Theorbe (eine Laute mit Schalenhals): Tobias Tietze, Spinett und Programmkonzeption: Francesco Bernasconi, Regionalkantor an der Basilika St. Clemens, Moderation: Martin Rembeck, Publizist und Musikpädagoge.
- „Ick voer al over Rhijn“: Konzert von clemensklingt am Samstag, 18. Januar, im Museum August Kestner zur Finissage der Ausstellung „Bartmann, Bier und Tafelzier“. Beginn ist um 16 Uhr (Platz der Menschenrechte 3). Eintritt: 5 Euro (ermäßigt 4 Euro).
pkh/Wala